Politik in Afrika

der Hunger der amerikanischen Konzerne nach den Reichtümern der Welt war noch lange nicht gestillt, und ihre Methoden waren viel subtiler und effektiver als die ihrer politischen Führung. Amerikanisches Geld floss wie ein stinkender Strom der Korruption hinaus in die Welt und vergiftete das Leben rechtschaffener Menschen. Doch es war nicht nur amerikanisches Geld.


Europäer, Japaner, neuerdings auch Russen und Chinesen – sie alle wollten einen möglichst großen Teil der wertvollen Bodenschätze an sich reißen, die sie brauchten, um ihre überflüssigen Luxusgüter herzustellen und die Umwelt zu verpesten.


Die Kolonialzeit war offiziell vorüber, doch die Staaten der Dritten Welt waren abhängiger von den Industrienationen als je zuvor. Es gab keinen Sklavenhandel mehr, aber Kinder mussten in Fabriken in Afrika und Asien schuften, damit ihre Altersgenossen im Westen noch mehr Spielzeug kaufen konnten. Was Entwicklungshilfe genannt wurde, diente in Wahrheit dazu, korrupte Regimes zu fördern und die Eigenständigkeit der armen Nationen möglichst gering zu halten. Die Dritte Welt war von der vermeintlichen Großzügigkeit der reichen Länder wie benebelt und merkte nicht, wie ihr das überwiesene Geld durch die Lieferung von Waffen und albernen Konsumgütern wieder aus der Tasche gezogen wurde. Die westlichen Politiker gaben im Fernsehen die Friedensapostel und sorgten doch gleichzeitig dafür, dass in so gut wie jeder Region, nach der sie ihre gierigen Finger ausstreckten, Bürgerkriege ausbrachen und unbeschreibliches Elend über die Bevölkerung kam. Dann konnten sie wieder medienwirksame Hilfslieferungen und so genannte »Schutztruppen« in die Krisenregionen schicken. Und CNN war die Bühne für dieses gigantische Theaterspiel.

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Zu einem abgekarteten Spiel gehörten immer zwei Parteien. Die Menschen in der Dritten Welt waren mit ihrer Anfälligkeit für Korruption, ihrer Leichtgläubigkeit und ihrer Gier nach Wohlstand und Luxus zum großen Teil selbst an ihrer Misere schuld. So wie vor langer Zeit die afrikanischen Häuptlinge ihre eigenen Stammesbrüder an Sklavenhändler verkauft hatten, verschleuderten nun egomanische Machthaber die Zukunft ihres Landes für ein paar hingeworfene Dollar.

Karl Olsberg: Der Duft